Good bye, Gallusstraße

Zugegeben, das Auto ist neu, die Idee nicht mehr so ganz. Und unser Wohnwagen, der ist so richtig alt und feiert in diesem Jahr seinen 20. Geburtstag. Gehört somit schon fast zu den Oldtimern unter den Rolling Homes. Und obwohl unser alter Golf, das tapfere und unermüdliche Dieselross, diese Reise nicht mehr mit uns antreten wird, weil er einem neuen Mercedes gewichen ist oder besser gesagt, dieser Karosse einfach nicht gewachsen war (gut, Paula, meine Große, hatte sich im Kräftemessen geübt), war die Idee bereits im vergangen Jahr kurz nach unserer Heimkehr aus „Balkanien“ geboren. Bleibt also zu hoffen, dass unser neuer „Mitschuh“ ihn gebührend vertritt …

Was damals – einmal quer über den Balkan bis in den Norden Albaniens – für Viele ein absolutes No-Go war, fand heuer rasch in den Gemütern mancher alten Zauderer eine neue Nische. Grauenhaft, unkomfortabel, dreckig, heiß, ärmlich … einfach dumm, dirty und draufgängerisch waren nur einige der Adjektive, die dieses Unterfangen untermalen sollten. Immerhin wurden wir seit geraumer Zeit und seit unserer Bewährungsprobe nicht mehr für komplett verrückt erklärt, was unser „neues“ Reiseziel anbelangt, das uns nun über teilweise altbekannte Routen einmal mehr über „Balkanien“ bis in den Süden Albaniens führen soll.

Die Schriftstellerin Mary Edith Durham hat’s als eine der ersten allein reisenden Damen Ende des 19. Jahrhunderts bereits vorgemacht und mit dem Klassiker „High Albania“ ein schillerndes Kaleidoskop eines Landes erschaffen, das ihr auf diesem Trip ganz besonders an’s Herz gewachsen ist. In Anlehnung an dieses Opus Magnum und auf den Spuren Marys wollen wir nun morgen aufbrechen und uns frei nach Gusto und Bauchgefühl (das sich so kurz vor Abfahrt übrigens als äußerst flau erweist) über Slowenien, Kroatien, Bosnien und mitten durch Montenegros grandiose Bergwelt mit viel Zeit im Gepäck nach Albanien leiten lassen. Vielleicht führt uns ein Abstecher nach Mazedonien, in dieses kleine unbekannte Land, das für uns bislang nichts als ein weißer Fleck auf der Landkarte darstellt. All das wird sich im Laufe der „erfahrenen“ Strecke mit all ihren Unwägbarkeiten ergeben und situationsabhängig entschieden, immer unter der Prämisse der politisch halbwegs sicheren Lage. Denn so ganz fern der Krisengebiete werden wir uns wohl nicht immer aufhalten. (Alternativ könnten wir somit auch nach Frankreich fahren oder einfach zu Hause bleiben …)

Ob wir es binnen eines Zeitraumes von zirka fünf Wochen tatsächlich schaffen werden, mit unserem Wohnwagen-Gespann das südliche Butrint an der Grenze zu Griechenland und gleichzeitig das albanische Arkadien zu erreichen, das steht zum einen in den Sternen, zum anderen unter den Vorzeichen des gutgesonnenen Halbmondes. Aber wenn wir eines bereits gelernt haben, dann waren es nie Etüden über das Manifest irgendwelcher Konfessionen oder Glaubensbekenntnisse und schon gar nicht Lehrstücke von Menschen, die ihre religiöse Weltanschauung doktrinär verströmen. Ganz im Gegenteil lehrte uns auf unserer Reise im vergangenen Jahr nicht nur ein ganzes Volk allergrößte Gastfreundschaft, selbstverständliches Miteinander, uneingeschränkte Toleranz und verblüffende Weltoffenheit, was schon Lord Byron mit diesen Worten beschrieben hat: „Während sich der eine als Christ bezeichnet und der andere als Moslem, bezeichnet sich der Albaner einfach als Albaner.“

In diesem Sinne sage ich als polyglotte Allgäuerin:
Good bye, Gallusstraße!
Hi, Albania!
Pfiagott und Mirëdita!

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2 thoughts on “Good bye, Gallusstraße

  1. Thomas Willauer sagt:

    Ich wünsch Euch eine gute Reise und hoffe, dass das Auto hält.
    Thomas

  2. Fam Pester sagt:

    toi, toi, toi und ganz viel Spaß

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