Die Pinguine von Jajce

Diejenigen, die sich an die „Höllenhunde von Jajce“ erinnern, erwarten hier bestimmt eine Neuauflage der nächtlichen Gefechte sämtlicher bosnischer Straßenköter. Aber ganz falsch gedacht: Die Hunde sind weg, dafür sind die Pinguine da! Und viel mehr noch ist da. Über das ich in der Kürze der Zeit gar nicht berichten kann. So vieles haben wir in diesen heutigen Tag gepackt. Also müssen ein paar Stichworte genügen, um euch davon überzeugen zu können, dass wir wohlauf sind 🙂
1.

Vielen Dank für die vielen herzlichen Geburtstagsgrüße. Schön, aus der Ferne über so viel Nähe zu wissen …

 

2.

Das Glücksschwein von Bine und Dreas kann ich sowas von gut gebrauchen und gibt mir ein Grundvertrauen und eine gewisse Sicherheit, die mich nach meinem gestrigen Zaudern und Zögern einfach Lügen straft. Heute übrigens hatte es seinen ersten Einsatz. (Aber nicht nur das Schwein allein, sondern auch das legendäre Notfallbüchle ist mit an Bord, samt den 20 Euro, die im Buchrücken verstaut sind und über den allergrößten Notfall hinweg helfen sollen …

 

3.

Abenteuerliche Radtour durch das bäuerliche Bosnien mit diversen Badepausen.

 

4.

Besichtigungsmarathon am Nachmittag mit dem gefassten Beschluss, die nächsten Tage ruhig anzugehen.

 

5.

Die aufgeworfene Frage: Woher kommen all die Pinguine? (Mit den Pinguinen seien die unzähligen voll verschleierten Frauen in langen Burkas gemeint, die, begleitet und bewacht von ihren Männern und dem Rest der Familie ein mehr oder weniger isoliertes Dasein unter dieser Art Tarnmantel fristen. Stellt sich eine weitere Frage: Weshalb sind die alle hier? Jörg ist der Meinung, weil Bosnien das nördlichste muslimische Land sei und weil sie in christlich geprägten Ländern wenig Ansehen unter diesen furchteinflößenden und menschenunwürdigen Gewändern genießen würden. Und weil Jajce so eine Art Pinguine-Hochburg darzustellen scheint. Die Balkan-Eisscholle sozusagen. Und ich frage mich: Wo kommen sie her? Aus aller Herren Länder, in denen die Frauen nichts zu sagen haben. Aber die Sippen sehr wohlhabend sind, was man an deren (Männer)Kleidung und dem ausgeprägten Markenbewusstsein sieht. Oftmals ist das ein erschütterndes Bild, wenn einer dieser Pinguine beim Essen sitzt und Gabel für Gabel unter einem Ganzkörperschleier mit integriertem Gesichtsschutzlappen verschwinden lässt (und ja, wir haben tatsächlich damit begonnen, im Maskulin von diesen Gestalten zu sprechen, ist ihnen doch dadurch jegliche Weiblichkeit abhanden gekommen).

 

6.

Hier mit der Policija in Clinch zu geraten, ist nicht unbedingt lustig, aber irgendwie war es das doch. Direkt aus der Bar („In der Bar, in der Bar, was machen die da?“ Klar! Biertrinkern! :-)) mit dem Auto unmittelbar auf den Polizeiposten am Stadtausgang zugesteuert, war Jörg noch bemüht, rasch einen Kaugummi einzuwerfen und in der Kürze der ihm verbleibenden Zeit bis zur Beinah-Inhaftierung darauf herumzukauen wie eine Allgäuer Kuh auf einer Portion aufgestoßenen Huflattichs. Es war aber auch zum Kotzen. Da waren wir mal grad zwölf Minuten über der Zeit, den Stadtkern automobil zu räumen, und schwupp-di-wupp hatten sie uns an der Kandare. Die Bierfahne indes spielte dabei gar keine Rolle, das gehörte wohl zum guten Ton. Beide sprangen wir aus dem Auto, damit sich unsere Ausdünstungen schnell in Luft auflösen konnten, andere Dinge dies aber nicht taten. Im Gegenteil wurde die Luft immer dicker! Es sei bereits nach 18 Uhr und somit dürften hier keine Autos mehr fahren. Gut, das hatten wir am Nachmittag schon den Schildern entnommen, bloß jetzt blöderweise vergessen. Und obwohl sich Täter wie Richter nicht nur hervorragend verstanden hatten ohne auch nur ein einziges Wort der jeweiligen Sprache zu sprechen oder zu verstehen, sondern auch den allergrößten Spaß miteinander hatten – Strafe musste sein! Da wollte der doch glatt Jörgs Führerschein einbehalten und uns „bitten“, morgen früh bei ihm auf der Polizeiwache vorbeizukommen, um zehn Mark Wechselgeld abzuholen. Die Buße betrug nämlich exakt 20 Euro. Oder eben 40 Bosnische Mark. Und wir hatten nur einen 50-Mark-Schein … 🙂 Irgendwo kramte er dann noch ein bisschen Münzgeld in seiner Hosentasche hervor … Der Rest war dann Trinkgeld!

„Da fliegt dir doch das Blech weg …“ 🙂

 

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