Picknick am Autoput

Wer kennt ihn nicht, den berühmt berüchtigten Autoput von Zagreb nach Belgrad. Eigentlich wollten wir diese Route nie und nimmer fahren, waren wir doch eher auf Gemütlichkeit und Beschaulichkeit aus. Aber so lässt sich’s einfach nicht in der Zeit so weit kommen, wie wir uns das vorgenommen haben. Also Augen zu und durch und erst mal Strecke machen! Oder erst mal rein nach Zagreb. Denn bislang lief’s verdammt gut und der Hauptstrom floss Richtung Meer und Split ab.
Zagreb war Hölle unter der diesigen Dunstglocke; immer wieder Nieselregen und ständig Dieselabgase irgendwelcher „nostalgischer“ Autos und Lastwagen der Marke „Yugo uralt“.
Dann endlich durch, verlief die Fahrt eigentlich locker flockig. Oder einfach deprimierend, dröge und langweilig?
„Polje“ heißt „Feld“, und „Feld“ bedeutet bekanntlich „flach“. Oder einfach topfeben. Und jedes dieser Felder um Zagreb und Umgebung hat einen Vornamen. Wie bei Kißlegg das Hasenfeld eben (das hier Zec Polje heißen würde). So tuckerten wir also durch sämtliche Poljes des serbokroatischen Wortschatzes und Tierreiches und waren einfach nur desillusioniert ob dieser Ödnis. Denn unsere Reise im vergangenen Jahr war weder von Regen begleitet, noch von solcher Hässlichkeit. ABER! Und darüber waren wir informiert! Der Autoput hat rein gar nix mit Road-Movie-Romantik zu tun, noch könnte Sonnenschein von all seiner schäbigen Tristesse ablenken. Vielmehr war das für die längste Zeit die allergrößte Ganovenmeile über den Balkan. Von dem her gab es also gar nicht so vieles zu beanstanden. Und der reinwaschende Regen war sozusagen der passende Begleiter auf dieser Etappe.
„Ey Läudde, da steig ich jetzt echt nicht aus!“ Jawoll, das waren die Worte einer unserer Töchter, die längst zu jener Generation gehören, welche alle Menschen (vormals auch als Mama und Papa bekannt) nicht mehr mit „Altahh“ (geschlechtsneutral!) ansprechen, sondern neuerdings zu „Läudde“ machen. (Und wem kümmert dabei schon der Akkusativ? 🙂
Als neue „alte“ Eltern haben wir also den Rastplatz mit dem abgefackelten Restaurant, der runtergekommenen Tankstelle, dem versifften und von besseren Zeiten (oder noch schlechteren?) träumenden Klöhäusle, dem komplett zugemüllten Parkplatz sowie dem beißenden Odeur von Urin, das beim Aussteigen unmittelbar die Nasenschleimhäute zu verätzend drohte, abgesehen und haben den nächst besseren angefahren …

Der aber kam nicht …

Jörg hatte recht. Es könnte von nun an wirklich nur noch besser werden. Allerdings nicht unmittelbar. Bevor uns der Autoput so richtig in seinen Bann zog, schafften wir es, die Kurve Richtung Banja Luka zu kriegen. Und siehe da! Autobahn runter – Landstraße rauf, verlief das Reisen wieder in erstaunlich geregelten Bahnen. Den Wohnwagen im Schlepptau, steuerte ich unser Gespann einmal quer„polje“ein, und wir konnten sogar dem „großen Feld“ etwas Schönes abgewinnen. Die Sava, der Grenzfluss zu Bosnien, ist zumindest so eine Landmarke, die einen doch tatsächlich mit ihrer Anmut in ihren Bann zieht.
Aber dann, apropos Bann: Der Fluss war auf einen Schlag gebannt. Zumindest der Autofluss, und das durch den Schlagbaum. Unvermittelt standen wir zirka zwei Kilometer vor der Grenze zu Bosnien und damit vor zirka zwei Stunden Wartezeit.
„Nein, schön finde ich die Sava jetzt echt nicht mehr, wenn die so einen Aufruhr verursacht“, war es Jörg, der ansonsten recht ruhig alles zur Kenntnis nimmt und eigentlich immer das Beste daraus macht – aber jetzt Vergleiche zum Ruhrgebiet zieht (denn der Grenzort Nova Gradiska hatte durchaus vergleichbares Potenzial). Jetzt aber gab es keine Wahl mehr zwischen Bestem und Zweitbestem. Es war einfach richtig besch … Wir standen in der Schlange, dann waren wir endlich an der Reihe und nach 118 weiteren Kilometern über Banja Luka schließlich durch den zauberhaften Vrbas-Canyon, der auch bei Regen seinen Zauber nicht verliert, ziemlich erschöpft im bosnischen Jajce angelangt. Unserem ersten richtigen Etappenziel, das wir bereits im vergangen Jahr mit seinen vielen Hunden kennengelernt haben … Aber das war eine andere Geschichte.

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