Eyes without a Face

Der Song von Billy Idol lief im Radio, als wir heute Nachmittag an der Beachbar gesessen haben. Irgendwie scheint mir dieser Text mehr als passend für die zunehmende Islamisierung dieses Landes. Sagt übrigens auch Peter aus Graz vom EUFOR-Bataillon aus Sarajevo. Denn es ist eben nicht nur Jajce, wie wir längst festgestellt haben, sondern das ganze Land, in dem sich der Islam immer mehr und immer schneller ausbreitet. Was aber nicht auf die innerpolitischen Strukturen zurück zu führen ist, sondern vielmehr auf die Einflüsse von außen. Und außen heißt: Arabien. Von außen heißt auch: finanzielle Mittel. Und weil ich immer alles genau wissen will und mir Mutmaßungen und falsche Urteile nicht genügen, frage ich einfach nach.
„Nein Mama! Nicht schon wieder. Lass jetzt! Geh da nicht hin, die verstehen dich sowieso nicht!“ So klingt meist Marlene, weil ihr das alles hier einfach viel zu fremd ist. Sie war übrigens auch die Erste, die bemerkt hatte, wie sehr sich die vollverschleierte Frau in Jajce echauffierte, als ich sie heimlich fotografiert hatte. „Los, renn! Die gehen sonst auf uns los!“
Auf jemanden los geht hier ganz gewiss keiner, zumindest nicht, wenn es an touristischen Hotspots ist. Und so bin ich einfach auf die Menschen auf „unserer“ Badeplattform zugegangen oder vielmehr zugeschwommen und über die Leiter aus dem Wasser hochgeklettert.
„Hi! Where are you from?“, fragte ich die Männer, die sich zum abendlichen Kaffee niedergelassen hatten. Von Kuwait seien sie, erklärte der Pascha, dessen eindeutiger Status schon auf den ersten Blick ersichtlich war. Er stellte mir seine beiden Söhne vor, ebenso die beiden Freunde der Söhne. (Töchter sind übrigens nie anzutreffen.) Die Frauen indes seien zu Hause, während sie selbst hier ihre Ferien verbrächten. Das vierte Jahr bereits flögen sie regelmäßig von Dubai nach Sarajevo, hätten ein Haus am Jablanico Jezero gekauft. Sofort wurde mir Kaffee und Schokolade angeboten und Jörg dazu gerufen. Gastfreundschaft scheint selbstverständlich zu sein, und zum ersten Mal dachte ich darüber nach, dass meine „leichte Badebekleidung“ und meine tropfnasse Erscheinung in deren Augen ein ähnlicher Affront darstellen musste, wie in unseren Augen eine gesichtslose Frau in einer Burka mit lediglich zwei engen Gucklöchern. Aber irgendwie halt doch anders …

Peter sagt auch, dass sich der Islam hier ausbreiten würde, wie ein Geschwür. Schnell und gefährlich. Das spüre man an der ganzen Stimmung im Land. Auch für den Unkundigen ist das übrigens spürbar. Zum Beispiel an den Ortschildern in den serbischen Gebieten, auf denen der lateinische Ortsname überall unkenntlich gemacht ist. Dabei ist es den Serben gar nicht zu verübeln, dass sie um ihr Land „kämpfen“. Denn sie fühlen sich schlichtweg überrannt und aus ihrer Heimat vertrieben und wollen doch nichts, als das Erbe Jugoslawiens verteidigen.
Gegen diesen Zustrom ist kaum noch anzukommen. Es entstehen immer mehr Moscheen mit Geldern und Zuschüssen aus dem Nahen Osten, aus Saudi-Arabien, aus Kuwait, aus den Emiraten. Sarajevo beispielsweise ist mittlerweile überwiegend muslimisch. Damit kaufen sich die Saudis und all die anderen regelrecht in dieses Land ein.
Auf die Frage, was denn die EUFOR in Bosnien noch zu tun hätte, gibt Peter nur ein kurzes Statement ab: „Dia konnst no long ned allän loss’n. Denn dia derschlong sich sonst boid wieder.“
Schuld daran seinen mitunter die politischen Verhältnisse, ergänzt er. „Do stinkt äniges gewoidig zum Hümmä.“ Korruption und vieles mehr, worüber keiner Bescheid weiß, was nie an die Öffentlichkeit gelangt und was man auch gar nicht wissen will. So, wie man auch nicht wissen will, wie es tatsächlich zu den Dayton-Verträgen gekommen ist. Der Jugoslawienkrieg kümmert keinen mehr wirklich, auch das sagt er. „Denn jetzt hom mer jo an Därror. Des is der naiche Kriag.“ Und unter den Kriegsführern befänden sich vorneweg die Medien – Twitter, Facebook, Bild und Co auf Feldzug im Quotenkampf. Da geht es heutzutage nur noch um Klicks und um Likes, um Headlines und eben um die Quote. Und jede Bombe, die irgendwo hochgeht, kommt gerade recht. Wer der erste ist am Hotspot, der hat die Story. Und derjenige, der sie hochgehen lässt, wird auf einen Klick weltberühmt. Um es mal bitterböse und ganz krass auszudrücken …
„Wuist a Bier?“, fragt er mich, drückt mir eine Dose Gösser in die Hand und versucht, von der Politik und dem Weltenlauf abzulenken. Als Antwort erhält er von mir eine Gegenfrage. „Wie verkraftet man solche Einsätze auf Dauer, und was macht das mit einem?“ Denn auch im Kosovo war er zu Kriegszeiten im Einsatz. Jeweils für acht Monate, dann geht es bis zum nächsten Einsatz für vier Monate zurück nach Österreich. „Des wuist net wiakle wüss’n“, sagt er knapp, und seine Stimme wie auch seine Stimmung verändert sich unmittelbar.
Wie überhaupt den acht Jungs dieses Bataillons an diesem Nachmittag am Boracko Jezero nicht anzumerken ist, dass sie eigentlich einen Tag Freizeit verbringen sollten; von Easy Going ist rein gar nichts zu spüren. Das ganze schwere Geschütz gut gesichert in drei Autos verteilt, die neben unserem Wohnwagen stehen, kann keiner wirklich entspannen. Ständig sind sie in Habacht-Stellung, und ständig ist der Blick in alle Richtung gerichtet. Ob es nach solchen Einsätzen jemals wieder möglich sein wird, ins Leben zurückzufinden?

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