Hi, Albania!

„Welcome back!“, sagt Nico, als wir aus dem Auto steigen und auf ihn zugehen. Und dies mit einem Selbstverständnis, als ob er nur darauf gewartet hätte, dass wir endlich wieder hier aufkreuzen würden. „Everything the same“, sagt er auch. Und in der Tat hat sich hier scheinbar gar nichts verändert, seitdem wir diesen Platz im vergangen Jahr verlassen haben. Die Holzstühle vor seinem Häusle stehen so da, wie „immer“. Er lacht uns an, wie wir es gewohnt sind, die Preise sind exakt dieselben wie letztes Jahr (worauf er ausdrücklich hinweist), der Kellner aus der Strandbar hilft uns beim Rangieren. Auch er war letztes Jahr schon da. Irgendwie ist das wie Heimkommen. Und alles ist irgendwie beim Alten. Bis auf den Müll. Dieses Problem scheint sich in der Tat ein klein wenig verringert zu haben. Und Neues scheint in Gang zu geraten.
Aber der Reihe nach …
Ich habe letzte Nacht geschlafen wie ein Stein. Weder vom Gewitter, noch vom Sturm und auch nichts vom Regen habe ich mitbekommen. Allein die Tatsache, dass mein Bett ein weiteres mal nass war, ließ mit dem weit offen stehenden Fenster den Verdacht aufkommen, dass ein Wetter über die Berge gezogen sein musste. „Es hat geblitzt, dass hier alles taghell war“, klärte mich Jörg am Morgen auf. „Und gedonnert hat es, dass der ganze Wohnwagen gewackelt hat.“ Wie man so tief schlafen kann, war mir bislang schleierhaft. Gestern konnte ich. Ich musste wohl zu erschöpft gewesen sein. Und hatte noch nicht einmal mitbekommen, wie Marlene gekotzt hat. Nicht aus der Hängematte, aber mehrmals aus der Wohnwagentür.
Entsprechend vorsichtig galt es heute morgen, aus der Tür zu treten. Davor tat sich nicht nur wiedergekäutes Forellen-Chutney sowie recyceltes Kartoffel-Crumble auf, sondern vor allem Felsen- wie Wolkengebirge, und ein heftiger Sturm fegte durch die Piva-Schlucht. Es war einfach zauberhaft schön! Bis auf Marlenes Zustand, aber der schien gar nicht so unschön zu sein.
Während der Autofahrt hat sie geschlafen, Handy-Zocke war nicht nötig und auch nach Nintendo wurde nicht verlangt. Ida auch noch etwas wackelig auf den Beinen, verlief die Fahrt von Pluzine über Nicksic und Podgorica absolut entspannt und landschaftlich überwältigend.
Bis auf das letzte Stück ab Podgorica. Im Ranking der hässlichsten Städte Montenegros bereits im vergangenen Jahr auf Platz 1 gewählt, konnte uns nichts mehr schocken. Und der Regen schien irgendwie alles sauberer und grüner gemacht zu haben.
„Sauber!“, äußerte sich Jörg analog, als ich mich mal wieder gegen das Navi entschieden hatte und partout meinen Kopf durchsetzen musste. Wir landeten mitten im Grünen. Oder im Braun-Grau-Grünen. Zunächst führte die Straße noch gerade aus, und auf dem Wegweiser war auch ausdrücklich „Carina“ zu lesen. „Hier steht Tranzit, und das sagt auch das Navi“, wandte Jörg ein. „Blödsinn, ich weiß doch, was Carina heißt. Los, gerade aus, da geht’s zur Grenze!“, war mein „Vorschlag“. Gelinde gesagt.
Wenn ich mich selbst als Beifahrerin hätte, wäre ich schon längst ausgeflippt. Denn wir landeten nicht am Zoll, sondern die Straße irgendwo im Nirgendwo. Abkuppeln oder mit dem ganzen Gespann umdrehen lautete hier die Frage. Die Antwort: „Noch einmal, und du kannst selber fahren! Wenn ich fahre, bestimme ich!“ Und der Fahrer hatte, wenngleich recht holprig und mit mehrmaligem Aufsetzen, die Kurve gekriegt.
Von da an hielt ich mich (zumindest für heute) an Jörgs eisernen Beifahrer-Grundsatz: Si tacuisses, philosophus mansisses.
Um kurz nach zwölf waren wir über die albanische Grenze, und eine halbe Stunde später am Lake Shkodra Holiday Resort.

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