Kamping mit Nebenwirkungen

Langsam werden wir zu echten Off-Roadlern. Zumindest dachte ich das, als ich heute Nachmittag die holprige Naturpiste mit meinem Centurion-All-Rad hochgestrampelt bin, die wir zwei Stunden zuvor mit unserem Gespann hochgeschnaubt und gejuckelt sind. Beziehungsweise musste ich ab der Mitte schieben …
„Hätte das der Golf auch gepackt?“, fragte ich Jörg. Hätte er vermutlich nicht! Denn wenn nicht am Boracko Jezero, dann wären wir spätestens hier hängen geblieben. (Aber ich glaube, ohne den Mitschuh wären wir so weit erst gar nicht gekommen …)
Nun stehen wir also hier direkt am Meer (sauschön!!!) am Kamping Pa Emer, was soviel heißt wie Camping Ohne Namen, an einem Ort, dessen Namen wir nicht wirklich aussprechen können, wie überhaupt die Namen der meisten Orte. Und von dem Leben wir auch wenig bis gar nichts verstehen. Von daher scheint der Name gerade passend.
Namen sind ohnehin Schall und Rauch, und so haben wir uns heute Nachmittag einfach irgendwo im Nirgendwo mitten in diesem Dorf am Straßenrand auf ein paar Stühlen niedergelassen und voller Staunen dem albanischen Weltenlauf im Kleinen bei seinem Fortschreiten zugeschaut.
Jeder freute sich an uns, allseits wurde mit einem freundlichen und ebenso neugierigen „Hello!“ gegrüßt. Der Schafshirte mit seinen acht Schafen ebenso wie der Junge mit seiner einzigen Kuh. Die Buben auf ihren alten Fahrrädern, die Dorfjugend mit dem Handy in der Hand, und auch der vorbeifahrende Mercedesfahrer winkte uns aus seinem Auto zu. Und eigentlich waren wir nur auf der Suche nach einem Laden ohne Namen …

Wir sind ein Stück weiter südwärts gezogen und nach erstaunlich entspannter, wenngleich längst gewohnt chaotischer Fahrt durch Tiranas Hafenstadt am Meer gelandet. Nach kurzfristiger Routenänderung haben wir beschlossen, unsere Tour anders rum anzugehen. Das Wetter hat uns gewissermaßen dazu gezwungen, beziehungsweise trauten wir dem Frieden in den Bergen und in Mazedonien noch nicht so ganz, hatte doch das Unwetter am Sonntag in Skopje 14 Todesopfer gefordert und die Gebirgsgewitterlage war immer noch nicht ganz gebannt. Also erst Meer, dann Berge, dann Ohridsee. Aber auch das steht noch in den Sternen nach den heutigen Erzählungen einer Tschechischen Motorradfahrergruppe, die sämtliche Strecken bereits abgefahren sind und uns die Straßenzustände eindrücklich beschrieben haben …
Heute morgen also haben wir uns von Nico am Shkodra-See verabschiedet, nachdem wir am gestrigen Tag (also Jörg und ich) der Maladie der Kinder erlegen sind. Um nicht zu sagen, wir haben gek… wie die R… Also einfach einen Tag lang Liegestuhl und dösen und schlafen.
In diesem dösenden Dämmerzustand trat am Nachmittag ein Mädel zu mir an mein „Krankenbett am Strand“, schätzungsweise 25 Jahre alt.
„Gell, du hast den Blog geschrieben?“, sagte sie überzeugt.
„Hä?“, zeigte ich mich zunächst völlig konsterniert. „Woher weißt du von diesem Blog?“, richtete ich mich langsam halb wachend, halb träumend aus meiner Liegestatt auf.
„Wir haben dein Buch mit dabei. Und einzig aus diesem Grund sind wir hier. Hi! Ich bin Elisabeth.“
Wie sie von diesem Buch erfahren hätten, fragte ich. Und wie sie überhaupt darauf gestoßen seien.
„Ach, das haben wir im Buchladen bestellt, als wir darüber im Internet erfahren haben. Und jetzt sind wir von Nürnberg aus hierher gefahren.“
Auf die Frage, warum sie denn so sicher gewesen wären, dass wir das sein mussten, sagte Elisabeth:
„Es waren die beiden Kinder, die uns so bekannt vorgekommen sind. Und dann war da der Wohnwagen. Der einzige hier. Mit Friedrichshafener Kennzeichen. Nur das Auto stimmte nicht.“
Jetzt musste ich echt lachen und klärte sie über das neue Zugfahrzeug auf. So, wie ich sie auch darüber aufklärte, heute nicht in Bestform zu sein, da rekonvaleszent.
„Aber ihr wart doch auch letztes Jahr schon alle krank“, gab Elisabeth zum Besten.
Nun, solche „Nebenwirkungen“ bringt halt die Sache des Publishings so mit sich … 🙂

 

image

image

image

image

Dieser Beitrag wurde in Albanien veröffentlicht.
Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.